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Wohnen in Würde Die inhumanen und mit den Menschenrechten unvereinbaren Lebensbedingungen der Sinti & Roma in Rumänien und Italien müssen sich verändern. Mit Informationen, Petitionen, Appellbriefen und Ausstellungen wurde der „Aktionsmarathon“ im Rahmen der Weihnachtskonzerte des Leopoldinums und des Stadtgymnasiums praktisch umgesetzt.
Die Aktionen fanden am 8./9.12.2010 in der Detmolder Versöhnungskirche [jeweils 18:00] und am 21.12.2010 [19:00] in der Aula des Leopoldinums statt [Ausstellung]. Über 200 Petitionen [ca. 1000 Unterschriften] wurden von Zuschauern und Mitwirkenden der Weihnachtskonzerte unterschrieben. Die Petitionen wurden an die Regierungen der jeweiligen Länder geschickt und sollen den Regierungen verdeutlichen, dass derartige Verstöße gerade in der EU nicht toleriert werden dürfen. Menschenrechtsverstöße in Europa!? Diese beiden Wörter scheinen irgendwie nicht kompatibel und widersprechen auch ein Stück weit der typische Auffassung von Menschenrechtsverstößen. Guantánamo Bay, Medienzensur in China und die Todesstrafe in den USA; diese Verstöße sind allgemein bekannt und entsprechen der Vorstellung, die viele Menschen verinnerlicht haben. Dass aber auch innerhalb der Europäischen Union Menschenrechtsverletzungen auftreten, zeigen Ereignisse in Rumänien und Italien, die seit dem Jahr 2001 viele Menschen vor unüberwindbar scheinende Probleme stellen. Die Kampagne, die im Rahmen des internationalen ai-Appells „Wohnen in Würde“ entstanden ist, thematisiert „Rechtswidrige Zwangsräumungen“ und deren Folgen in Italien und Rumänien. Betroffen von diesen extralegalen Räumungen sind im Besonderen Sinti & Roma, eine Bevölkerungsgruppe, die ohnehin mit ungerechtfertigten Vorurteilen, mit Diskriminierung und unbegründeten Verurteilungen zu kämpfen hat. Sinti & Roma sind die größte ethnische Minderheit in der EU und leben fast überall ausgegrenzt und in Armut. Der Zugang zu Bildung, Wohnraum, Arbeit und Gesundheitsversorgung ist in vielen Teilen Europas eingeschränkt oder wird ihnen verwehrt.
Einen weiteren Grund für die öffentliche scharfe Kritik an den Zuständen in Italien und Rumänien lieferte ein Mitglied der Jugendgruppe bei einer der zwei Aktionen im Interview: „Derartige Verstöße sind in den Medien wenig präsent und gerade deswegen ist es unsere Aufgabe auf diese hinzuweisen“. In Italien werden tausende Sinti & Roma durch den sogenannten „Nomaden- Plan“ von einem „Wohnlager“ („Campi Normadi“) ins Nächste vertrieben. Sie sind von „extralegalen“ Zwangsräumungen bedroht, werden als Minderheit verachtet, als Bürger entrechtet, und zum „Nomadendasein“ genötigt. In Rumänien sind seit 2004 immer wieder Roma- Siedlungen rechtswidrig zwangsgeräumt worden und ihre Bewohner auf Gebiete neben Müllhalden oder Kläranlagen angesiedelt worden. So beispielsweise in der zentralrumänischen Stadt „Miercurea Ciuc“, wo 75 Roma nach einer „rechtswidrigen Zwangsräumung“ im Jahre 2004 unter katastrophalen Bedingungen leben müssen. Darüber hinaus haben sich die Lebensbedingungen bis heute nicht verbessert, obwohl rumänische Behörden dies versprochen hatten.
Die amnesty international Jugendgruppe Detmold thematisierte derartige Verstöße gegen nationales Recht in den Ländern, gegen europäisches Recht und gegen die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ von 1948 im Rahmen ihres „Aktionsmarathons“ im Dezember 2010.
[Verfasser: Jonas Blechen, ai – Jugendgruppe Detmold, im Januar 2011]